Direkt zum Inhalt

Vergiftungsunfälle bei Kindern: Was im Ernstfall zu tun ist

Einmal kurz nicht aufgepasst und im nächsten Augenblick nuckelt das Kind an einer bunten Putzmittelflasche oder steckt sich eine giftige Beere in den Mund. In solchen Fällen helfen die Giftnotrufe (auch Giftinformationszentren genannt). Ihre Daten werden zukünftig im 2026 eingerichteten Deutschen Vergiftungsregister (DVR) am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zentral gesammelt. Anhand der Daten sollen u. a. gefährliche Trends frühzeitig erkannt und Vergiftungen verhindert werden. Denn auch wenn Vergiftungsunfälle meist glimpflich verlaufen, können sie in schweren Fällen bleibende Schäden verursachen oder sogar tödlich enden. Im Zweifel gilt daher: bei einer möglichen Vergiftung durch ein Giftinformationszentrum beraten lassen.

Hausmittel ade

In vielen Haushalten kursieren zudem noch immer Mythen darüber, was im Falle einer möglichen Vergiftung zu tun ist. Warum gut gemeinte Maßnahmen wie das Auslösen von Erbrechen sogar zusätzlich schaden können, erläutert Dr. David Steindl in der neuen Folge des BfR-Wissenschaftspodcasts „Risiko“. „Aktiv hervorrufen sollte man Erbrechen wirklich nie“, betont der Leiter des Giftnotrufs der Charité, „da durch den Finger im Hals Verletzungen im Rachen-Raum entstehen können“. Auch vermeintliche Hausmittel wie Salzwasser oder Milch seien riskant. Durch hochkonzentrierte Salzlösungen können die Kinder eine Salzvergiftung bekommen. Milch ist eine fettige Flüssigkeit und kann dazu führen, dass sich gesundheitsschädliche Substanzen lösen und somit sogar noch besser aufgenommen werden. 

Von harmlos bis lebensgefährlich

Viele Vergiftungsanfragen, die beim Giftnotruf ankommen, betreffen alltägliche Situationen im Haushalt. Besonders bei Kindern kommt es häufig vor, dass sie Reinigungsmittel oder andere Haushaltsprodukte in die Hände bekommen. Dr. Steindl erklärt, dass Mittel die lediglich schäumend wirken in der Regel keine schweren gesundheitlichen Folgen verursachen. In vielen Fällen reiche es aus, etwas Entschäumendes zu geben und das Kind zu Hause zu beobachten: „Und Dinge, die entschäumen können, sind tatsächlich ganz simple Sachen, so wie ein Teelöffel Butter oder andere sehr fettige Lebensmittel“, erklärt Steindl.

Besondere Vorsicht ist aber bei ätzenden und verschiedenen anderen als gefährlich eingestuften Produkten geboten – im Zweifel immer ein Giftinformationszentrum um Rat fragen. Auch bei verschluckten Knopfzellen ist schnelles Handeln wichtig, da sie vor allem beim Steckenbleiben in der Speiseröhre Verätzungen und sogar Durchbrüche verursachen können – hier sollte immer sofort eine medizinische Einschätzung eingeholt werden.

Was beim Vergiftungsverdacht und im Notfall zu tun ist

Ruhe bewahren ist der wichtigste erste Schritt. „Unruhe, Sorge und Angst der Eltern übertragen sich ganz schnell auf die Kinder“, sagt David Steindl. Das erschwert die Situation zusätzlich. Entscheidend sei, das Kind zu beobachten: Atmet es normal? Ist es wach und ansprechbar? Zeigt es ungewöhnliche Reaktionen? Erst danach sollten weitere Schritte erfolgen. Der Giftnotruf kann anhand weniger Informationen eine erste Einschätzung geben und Empfehlungen aussprechen. Hier hilft auch der UFI-Code auf dem Etikett. Damit kann der Giftnotruf das beteiligte Produkt und dessen Inhaltsstoffe schnell eindeutig identifizieren. UFI steht für „Unique Formula Identifier“ (eindeutiger Rezeptur¬-Identifikator). Steindl weist darauf hin, „dass es Sinn macht, bereits in einer ruhigen Situation zu gucken, wo der UFI auf der Verpackung steht, damit man den Code in einer stressigen Notfall-Situation schnell findet.“

Im Notfall 112 wählen

Liegen Anzeichen für eine lebensbedrohliche Erkrankung oder Verletzung eines Kindes vor, sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden. „Insbesondere, wenn das Kind nicht mehr richtig wach ist, nicht mehr richtig antworten kann. Wenn es offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, normal zu atmen und sich auch nicht mehr von selbst bewegt“, erklärt Steindl. In allen anderen Fällen hilft der zuständige Giftnotruf schnell und unkompliziert weiter. (Bundesinstitut für Risikobewertung)

Liste der Giftnotrufzentralen 

Kategorie